Nachbarschaftskampagne

Unsere Nachbarschaftskampagne ist gestartet.
Wir sind wie in den vergangenen Jahren wieder auf Nachbarschaftstour. Hinweise aus der Bevölkerung werden ernst genommen und mit den Betroffenen vor Ort besprochen. Was mit einem Telefonat erledigt werden kann, wird sofort weitergegeben und ansonsten in Anträge an die Bezirksvertretung Brackel gefasst. Wichtig ist festzustellen, das nicht jede Anregung oder Beschwerde im Sinne der Bevölkerung erledigt werden kann. Wo die Verwaltung oder die Ordnungshüter dies anders sehen , enden unsere Möglichkeiten. Es konnte in den vergangenen Jahren einiges verändert und im Sinne der Bevölkerung verbessert werden. Beispielsweise, der Grünschnitt an Wegesrändern, zusätzliche Bänke im Wickeder Ostholz und die Gehwegerneuerung in der Kortschstrasse u.v.a.
Aktuell haben wir uns mit Anwohnern des Molnerweg und der Kortschstrasse getroffen.
Die Anwohner beklagen die Müllsituation rund um das Hochhaus im Molnerweg und die Verkehrssicherheit im Bereich der Kita Molnerweg.
Die Anwohner beklagen die Mülsituation vor dem Hochhaus, d.h. der Müll wird unsortiert entsorgt, Hausrat wird dazugestellt und daher nicht von der EDG abgeholt . Der Spielplatz für die Kinder ist in katastrophalem Zustand 
und als solcher nicht zu akzeptieren. Die Grünflächen rund um den Spielplatz werden von Erwachsenen in den Abendstunden nach Alkoholkonsum zum urinieren genutzt. Diese unhaltbaren Zustände sind im Sinne der Kinder und der Anwohner abzustellen. Hier ist die Verantwortung des Eigentümers zu klären.
Ein als Fußweg ausgeschilderter Bereich wird infolge fehlender Absperrung als Durchgangsstraße missbraucht. Dies wird an die zuständigen Stellen weitergeleitet .
Anregungen zur Verbesserung von Schwachstellen und die Beseitigung von Ärgernissen bitte unter Angabe des Namens an Dirk Sanke, sandiro(at)t-online.de oder unter 0231-278770(Anrufbeantworter).
Wie in den vergangenen Jahren gilt " Wir versprechen nichts, aber wir kümmern uns und wir kommen vorbei. Versprochen!

Dirk Sanke

Flüchtlingsdorf Morgenstraße

Das Flüchtlingsdorf Morgenstraße in Dortmund-Wickede ist Vergangenheit! Die erste große Container-Übergangseinrichtung für Flüchtlinge in Dortmund ging 2015 an den Start, die Planungen dazu wurden von heftigen Proteste begleitet. Beide Bürgerinformationsveranstaltungen konnten nur unter Polizeischutz stattfinden, Bezirksbürgermeister Karl-Heinz Czierpka musste wegen einer Morddrohung geschützt werden und einige direkte Anwohner sind bis heute keine wirklichen Freunde der Einrichtung geworden. 

Mehr als 400 Menschen haben in den fast zwei Jahren hier gewohnt, die letzten Bewohner sind vor gut einer Woche zusammen mit einem Teil der Betreuer in das Flüchtlingsdorf Haferfeldstraße in Brackel umgezogen. Eine Abschiedsfeier der Mitarbeiter, die anschließend die letzte Nacht in der Einrichtung schliefen, beendete das Kapitel. Czierpka: „Da sind tatsächlich einige Tränen geflossen“. Zuletzt siedelte Kerstin Edler, als Leiterin vom ersten Tag an mit dabei, auch noch Dorfkater Ricky nach Brackel um. 

Der Aufbau der Container bereitete der Spezialfirma große Schwierigkeiten - learning by doing. Die Container hatten in den Niederlanden jahrelang als Bürocontainer gedient. Sie als Wohnungen umzubauen war schwieriger als gedacht und es dauerte viel länger als geplant, bis die Stahlkisten endlich halbwegs als Lebensraum taugten. Am 16. März 2015 zogen dann die ersten Flüchtlinge ein, es waren die jungen Männer, die schon ein Vierteljahr lang unter schwierigen Bedingungen in den Brügmann-Hallen hatten leben müssen. Hier konnten sie endlich in Zwei- und Dreibett-Containern ein gewisses Maß an Privatspähre finden, entsprechend froh waren die Wickeder Neubürger. Interessant: Zum Schluss waren unter den nach Brackel umgesiedelten Bewohnern immer noch Männer aus dieser ersten Gruppe! Denn während es für Familien überraschend schnell gelang, passende Wohnungen zu finden, sind junge Männer kaum im Wohnungsmarkt zu vermitteln.  

Im Dorf begann ab März das pralle Leben: Es wurden Blumengärten im kargen Wickeder Boden angelegt, Musik gemacht, Deutsch gelernt, Behördengänge vorbereitet, an Fahrrädern gebastelt, Umzüge in eigene Wohnungen organisiert. Mehrere Kinder wurden geboren und natürlich bekamen die jungen Männer immer auch mal wieder Besuch - keine einfache Situation, auch nicht für die Betreuer, die hier die Hausordnung durchsetzen mussten. 

Legendär waren die fröhlichen Dorffeste, die gemeinsam mit den vielen ehrenamtlichen Helfern begangen wurden. Immer ein wuseliges Treiben auf dem ehemaligen Parkplatz. Zeitweise wohnten mehr als 170 Menschen in der für 150 Personen ausgelegten Einrichtung, Flüchtlinge aus vielen Ländern dieser Erde, selbst drei Chinesen logierten hier für mehrere Wochen. Da blieben Konflikte natürlich nicht aus. Doch das vielsprachige Helferteam konnte viele Meinungsverschiedenheiten und Streitereien frühzeitig entschärfen. Bezirksbürgermeister Karl-Heinz Czierpka: „Die AWO hat hier von Beginn an sehr klug gearbeitet und der Sprachkompetenz der Mitarbeiter einen hohen Stellenwert eingeräumt. Auch der Präsenzdienst wurde zuletzt von den eigenen Mitarbeitern erledigt, die genau so geschult waren wie die pädagogischen Kräfte. Das hat sich ausgezahlt.“. Der Bezirksbürgermeister, selbst Wickeder Bürger, war oft zu Gast in der Einrichtung und lobt die freundliche Stimmung, die hier trotz aller Einschränkungen herrschte. „Eine Flucht ist eine schlimme Lebenserfahrung, niemand von uns möchte so etwas je erleben. Hier konnten die Menschen zur Ruhe kommen und wieder Fuß fassen“. Kein Wunder, dass viele der Flüchtlinge immer wieder an die Morgenstraße zurückkamen, auch als sie schon eine eigene Wohnung gefunden hatten. 

Was bleibt in Wickede? Die Erinnerung an viele nette Kontakte und die Gewissheit, dass sich in solchen Notfällen in Windeseile eine große Welle der Hilfsbereitschaft organisiert, teilweise selbst organisiert. Die Menschen aus dem Stadtbezirk haben sehr schnelle Mittel und Wege gefunden, den Flüchtlingen zu helfen und ihnen den Weg in unsere komplizierte Gesellschaft zu ebnen. Und das waren es nicht nur die schwierigen Asylgesetze, selbst profane Dinge wie das allfällige GEZ-Schreiben mussten erklärt und erledigt werden. Baulich werden die Container noch einige Zeit stehen bleiben, niemand kann vorhersagen, wie sich die weltweite Lage entwickelt. Und mittelfristig wird sich das ganze Gelände an der Morgenstraße ändern, denn der Bebauungsplan Pleckenbrink, Br 213, befindet sich bereits in Arbeit.